Gefühle spielerisch begreifen

Gefühle spielerisch begreifen

Inhaltsverzeichnis

  • 1. Einleitung
  • 2. Definition Gefühl
  • 3. Die Bedeutung der Gefühle
  • 4. Wie entstehen Gefühle?
  • 5. Entstehung von Gefühlen im Säuglingsalter
  • 6. Einflüsse verschiedener Kulturen auf Gefühle
  • 7. Die Ängste unserer Kindheit
  • 8. Mit den Gefühlen Spielen!
  • 8.1. „den Gefühlen auf der Spur“
  • 8.2. „Gemeinsam sind wir stark“
  • 8.3. „Wir- Werkstatt“
  • 8.4. „Gefühle erleben“
  • 9. Fazit
  • 10. Literaturliste

1. Einleitung

Vorsicht: Gefühle sind überall!

Versuchen sie nicht ihre Gefühle zu beherrschen…lassen sie sich beherrschen!

Wer kennt das nicht mehr aus eigener Schulzeit, dieses ungute, mulmige Gefühl vor einer Klausur oder einem Referat, Herzklopfen beim Liebesbrief unter der Schulbank oder Ärger wegen einer Prügelei. Die Schule ist voller Gefühle, sowohl in der Klasse als auch auf dem Schulhof. Selbst ein Unterrichtsthema hat seine emotionalen Seiten, es kann von interessierter Spannung bis zur gähnenden Langeweile reichen.

„Herr Rieke ist nett!“, „Mathe macht keinen Spaß!“, „Ich geh gerne zum Sport!“, „Ich bin in Thomas verliebt!“, dass und ähnliches ist uns allen schon einmal durch den Kopf gegangen. Diese Gedanken sind mit unseren Gefühlen verbunden und könnten ohne sie nicht entstehen. Gefühle bestimmen unseren Alltag und sind nicht daraus wegzudenken, denn sie bestimmen unser Erleben und Verhalten. Was wir als unser „Bauchgefühl“ bezeichnen, kann uns vor etwas Bösem warnen oder auch zu etwas Gutem hinleiten. Dazu gehört zum Beispiel auch diese bittere Reue, die uns oft im Nachhinein überkommt, wenn wir betrogen, verlassen oder enttäuscht worden sind. „Hätte ich mich doch damals auf mein erstes Gefühl verlassen.“

Um besser darauf hinleiten zu können, wie Gefühle spielerisch zu begreifen sind, ist es notwendig zuvor zu klären, was Gefühle eigentlich sind und was für eine Rolle sie in unserem Leben übernehmen. Erst wenn das geklärt ist, werden im folgenden einige Beispiele genannt, die zeigen, wie Gefühle im pädagogischen Prozess bewusst angesprochen werden können und auch sollten. Durch Spiele soll bei Kindern einerseits kritisches Denken angeregt werden und andererseits gezeigt werden, wie Gefühle dazu beitragen können, für eine angenehme positive und produktive Gesamtatmosphäre zu sorgen.

Ein bedeutender Aspekt, im Prozess der Gefühlsentwicklung, ist außerdem die Rolle der Eltern bzw. der Erwachsenen, welcher in Kapitel 7 näher erläutert wird.

2. Definition Gefühl

„Gefühle sind seelische Erlebnisse oder Erlebnisqualitäten (…) die als Stimmung oder Grundstimmung den tragenden Grund für Erleben und Verhalten bilden.(…)“1 (Der neue Brockhaus, S. 315)

Um diese Definition des Begriffs Gefühle verstehen zu können sollte zusätzlich der Begriff Stimmung definiert werden. Stimmung wird verstanden als „die vorwiegende Färbung der Gefühlslage eines Menschen.“ Es werden zwei Stimmungstypen unterschieden, die „Endogenen Stimmungen sind in der Regel langfristig (…) und von der Situation unabhängig. (…) Exogene Stimmungen und Verstimmungen sind durch äußere Umstände bedingt.(…)“2 (Der neue Brockhaus, S. 135)

Somit ist deutlich, dass diese beiden Begriffe sehr eng miteinander verbunden sind und in einen Kontext gebracht werden müssen.

3. Die Bedeutung der Gefühle

„Gefühle sind seelische Erlebnisse oder Erlebnisqualitäten teils ungerichteter, teils gerichteter Art (Liebe, Hass), teils Gesamtzuständlichkeiten, die als Stimmung oder Grundstimmung den tragenden Grund für Erleben und Verhalten bilden. In starkem Maße ganzheitlich, erfüllen und ergreifen sie den ganzen Menschen. (…) Außer nach ihrer Stärke (Intensität) unterscheiden sich die Gefühle nach ihrer ´Tiefe` sowie nach ihrer Beständigkeit. (…)“3 (Der neue Brockhaus, S. 315)

Gefühle erleben wir jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Sie sind immer da, auch wenn wir nicht an sie denken. Sie bewahren uns meist davor Dinge zu tun, die wir später bereuen würden. Doch sie können uns auch böse Streiche spielen, nämlich dann, wenn wir uns von ihnen hinreißen lassen. Wenn dies passiert, sind heftige Emotionen mit im Spiel, die auf einen Moment des Ausbruchs gewartet haben und alle Vernunft hinwegspülen.

Es gibt gute und schlechte Gefühle, manche haben wir gerne, andere nagen an uns und verfolgen uns, nachdem wir sie tagsüber zu unterdrücken versuchten, nachts in unseren Träumen.

Gefühle beeinflussen aber nicht nur unsere Psyche, sie können, durch innere oder äußere Reize, auch körperliche Veränderungen hervorrufen, welche unterschiedlich intensiv sein können. Sie können als Erregung bzw. Spannung oder als Beruhigung bzw. Entspannung erlebt werden. So kann zum Beispiel durch eine bevorstehende Prüfung eine erhöhte Herzfrequenz, feuchte Hände und leichte Magenkrämpfe entstehen.

Gefühle begleiten uns unser ganzes Leben. Sie beeinflussen unsere Stimmungen und können unser Verhalten aktivieren und steuern aber auch lähmen.

In der Emotionspsychologie wird zwischen aktuell, situationsbezogenen entstehenden und eher kurz erlebten Gefühlen und den zeitlich länger andauernden Stimmungen unterschieden. Somit kann die Stimmung der „Hintergrund“ für individuelles Erleben einiger Stunden, Tage oder gar als persönliches Temperament ein Leben lang prägen.4 ( EQ- Emotionale Intelligenz, S. 13)

Nach Robert Plutchik werden acht menschliche Grundgefühle unterschieden: Furcht, Ärger, Freude, Traurigkeit, Vertrauen, Ekel, Erwartung und Überraschung. Alle anderen „Gefühlstöne“ sind, wie bei der Farbskala, das Ergebnis einer Mischung aus diesen Grundemotionen.5 (EQ- Emotionale Intelligenz, S. 11)

4. Wie entstehen Gefühle?

Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob sich Emotionen aus dem Erregungszustand des Säuglings allmählich entwickeln, oder ob „grundlegende“ Emotionen von vornherein vorhanden, also angeboren bezeichnet werden können. Gibt man der zweiten These recht, so entsteht das bewusste subjektive Erleben von Gefühlen erst dadurch, dass Veränderungen in der Gesichtsmuskulatur vom Gehirn zurückgemeldet werden.

Der amerikanische Psychologe Robert Plutchik sagt, dass eine Gefühlsentwicklung durch Reize der Umwelt entstehen. Diese Reize werden eingeschätzt und bewertet, wodurch sich dementsprechend Gefühle entwickeln. In der nachfolgenden Tabelle sind einige seiner Beispiele aufgeführt.6 (EQ- Emotionale Intelligenz, S. 11)

 

Ergebnisabfolge bei der Entstehung eines Gefühls

nach Robert Plutchik

 

Reiz

erschlossene

Kognition

Gefühl

Verhalten

Effekt

Bedrohung

Gefahr“

Furcht/Schrecken

Rennen/Weglaufen

Schutz

Hindernis

Feind“

Ärger/Zorn

Beißen/Stoßen

Zersörung

potentieller Gefährte

Besitz“

Freude/ Ekstase

Werben/ Paaren

Fortpflanzung

Verlust einer

geschätzten Person

Insolation“

Trauer/Kummer

Um Hilfe rufen

Reintegration

Gruppenmitglied

Freund“

Akzeptanz/Vertrauen

Pflegen/Sich kümmern

sozialer Anschluß

scheußlicher Gegenstand

Gift“

Ekel/Abscheu

Erbrechen/Wegstoßen

Zurückweisung

neuartige Umwelt

Was ist hier los?“

Antizipation

Erforschen/Auskundschaften

Exploration

plötzlicher neuartiger Gegenstand

Was ist das?“

Überraschung

Anhalten/Aufmerken

Orientierung

Wie dargestellt, entsteht eine Emotion als eine Art „Kettenreaktion“: Auf einen Reiz folgt eine Kognition, die eine subjektive Bewertung des Reizes ermöglicht; dies wiederum führt zu einem Gefühl, das bestimmte Handlungen vorbereitet.“

 

Abbildung 1: Ereignisabfolge bei der Entstehung eine Gefühls (Quelle: EQ- Emotionale Intelligenz, 1996)

Nehmen wir zur Erklärung das Beispiel der Bedrohung. Der amerikanische Neurowissenschaftler Joseph LeDoux von der Universität New York hat kürzlich festgestellt, dass ein tief unter dem Großhirn angesiedelter Zellknoten (Mandelkern) bei der Gefühlsentwicklung eine große Rolle spielt. Er wird bei allen Gefühlen aktiviert und hilft in Notsituationen entsprechend zu reagieren.7 (Katharina Zimmer, S.13)
Ein Wanderer, der zum Beispiel eine Schlange auf dem Weg entdeckt, nimmt den Sehreiz „Schlange“ wahr. Dieser wird vom Auge zum Thalamus (einen Gefühle weiterleitenden Teil in der Mitte des Gehirns) weitergeleitet und gelangt von dort direkt zum Mandelkern. Dieser bekommt die Information „längliches gekrümmtes Objekt“ (Bedrohung) und hilft dem Wanderer emotional, zum Beispiel mit einem Satz rückwärts, zu reagieren.

In diesem Absatz wurde ganz allgemein erklärt, wie Gefühle entstehen, doch für das Thema der Hausarbeit ist es interessant zu wissen, in welchem Alter wir Menschen anfangen bestimmte Gefühle zu entwickeln und wie wir lernen damit umzugehen. Darauf wird in dem nächsten Kapitel näher eingegangen.

5. Entstehung von Gefühlen im Säuglingsalter

Wie schon erwähnt begleiten uns Gefühle unser ganzes Leben und dies beginnt schon im Säuglingsalter. In diesem Alter lernen wir Gefühle zu entwickeln, einzusetzen und damit umzugehen.
Gibt man der ersten These aus Abschnitt 4. recht, dann ließe sich die Entstehung der Gefühle wie im folgenden erklären.
Bei einem Säugling entwickeln sich im Laufe der Zeit aus undifferenzierten Erregungen spezifische Gefühlsregungen. Es beginnt sofort zu weinen, sobald es sich unwohl fühlt und ihm etwas nicht vertraut ist. Ein acht Monate altes Kind dagegen weint zwar immer noch sehr häufig, die Mutter kann aber in diesem Alter schon unterscheiden, was das Kind damit „sagen“ will, ob es die Windel voll, Hunger oder Angst hat. Das Kind merkt dies und kann sein weinen als gezielte Willensäußerung einsetzen.
Bei den Kindern entwickelt sich in den ersten Wochen aus dem anfänglich diffusen Erregungszustand zwei Grundtendenzen emotionalen Verhaltens heraus: Lust und Unlust. Wobei die Unlust eher hervortritt und sich unterscheiden lässt in Angst, Ekel, Wut und Zorn. Ein Zeichen der positiven Gefühlsäußerungen nennen die Entwicklungspsychologen das „soziale Lächeln“. Dieses Lächeln wird durch verschiedene Reize hervorgerufen, wie zum Beispiel Anschauen und Ansprechen des Säuglings. Dieses Lächeln kommt besonders dann hervor, wenn das Kind gelernt hat, zwischen fremden und vertrauten Personen zu unterschieden.8 (Katharina Zimmer, S.18)
Im Laufe der Entwicklung wird das Kind einigen Situationen begegnen, in denen es neue Ängste kennen lernen wird und in dieser Zeit spielt der Einfluss der Umwelt und besonders der seiner Bezugspersonen eine große Rolle. Darauf wird in Abschnitt 7. näher eingegangen.
Wut und Ärger lernen die Kinder schon in den frühen Jahren, wenn sie versagen, ihnen Wünsche unerfüllt bleiben oder als Reaktion auf Bedrohung. Liebe und Zuwendung wird ihnen in den ersten Jahren von festen Bezugspersonen gegeben, wobei dieses als ein sehr wichtiger Kommunikationsprozess gesehen werden muss. Denn dies ist auch insbesondere sehr wichtig für die Entwicklung psychischer Funktionen, Fähigkeiten und Kräfte.
Alle Grundemotionen wie Interesse, Leid, Widerwillen, Freude, Zorn, Überraschung, Scham, Furcht, Verachtung und Schuldgefühl sind bereits im zweiten Lebensjahr vorhanden. Diese werden in den folgenden Jahren differenziert und das Kind verändert seine Art auf bestimmte Gefühle zu reagieren. Als Beispiel ist der Säugling zu nennen, der bei Angst anfängt zu weinen, ein älteres Kind andererseits Schutz bei der Mutter sucht.
Das Kind lernt in der Zeit des Heranwachsens welche Arten des Gefühlsausdrucks von der Gesellschaft akzeptiert werden und welche nicht. Es entwickelt ein Gespür, welche Gefühle es nicht zeigen darf um nicht enttäuscht und verletzt zu werden.9 (L. Schmitz- Atzert, S. 218-231)
In diesem Zusammenhang kommt die Frage auf, wie es sich in verschiedenen Kulturen mit den Gefühlen verhält. Sind sie überall gleich? Werden die Gefühle überall gleich akzeptiert? Auf diese Frage wird im nächsten Kapitel kurz eingegangen.

6. Einflüsse verschiedener Kulturen auf Gefühle

Es ist zwar nicht sicher, welche Gefühle angeboren sind und welche im Laufe der Zeit erworben oder erlernt werden, doch sicher ist, das es grundlegende Gefühle gibt, die in jeder Kultur existieren. Diese sind an neurale (vom Nervensystem ausgehende) Prozesse gebunden, die zum gleichen Zeitpunkt auftreten und die gleichen biologischen Rückmeldungsmuster hervorrufen. Somit liegt die Vermutung nahe, dass ein enger Zusammenhang zwischen einem bestimmten Gefühl und dem dazugehörigen Gesichtsausdruck bestehen muss. Ein zorniger Gesichtsausdruck zum Beispiel ist überall der gleiche und verbunden mit einem Senken und Zusammenziehen der Augenbrauen, schlitzförmigen Augen und einem zusammengepressten Mund.

Die Gefühle selbst unterscheiden sich in unterschiedlichen Kulturen nicht so sehr. Vielmehr ist die Entstehung der Gefühle, mit dem dazugehörigen Gesichtsausdruck, von denen der Kultur zugehörigen soziokulturellen Norm abhängig.10 (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at)

7. Die Ängste unserer Kindheit

In Abschnitt 5. habe ich angesprochen, dass Kinder im Laufe der Entwicklung einigen Situationen begegnen werden, die neue, unbekannte Ängste bei ihnen auslösen werden. Auch der Einfluss vertrauter Personen spielt in dieser Zeit eine wichtige Rolle.
Auf diese Ängste und den richtigen Umgang mit ihnen will ich in diesem Kapitel näher eingehen.
Nach Heike Baum ist Erwachsenen nicht klar, dass auch ihre Kinder von Sorgen, Ängsten und Schwierigkeiten geplagt sind. Auch wenn diese Ängste und Probleme oft nicht real erklärbar sind, ist es wichtig, sie trotzdem ernst zu nehmen und den Kindern somit das Gefühl zu geben, dass es richtig ist, was sie fühlen. Dies kann zum Beispiel durch Spiele, die Mut und das Bewusstsein für Gefühle schaffen, erfolgen. Dafür werden in den nächsten Abschnitten mehrere Beispiele vorgestellt.
Es ist normal, dass Eltern versuchen ihre Kinder vor Ängsten zu bewahren, doch gelingen tut dies meist nicht. Die Urangst ist in uns allen von Geburt an vorhanden. Babys, die sich erschrecken, wenn das Telefon klingelt, haben Angst vor dem Geräusch, weil sie es nicht kennen. Vor diesem Gefühl hat die Mutter das Kind nicht beschützen können und auch nicht das damit verbundene Herzrasen und das unwohle Körpergefühl. Je älter die Kinder werden und je öfter das Telefon klingelt, desto mehr wird ihnen dieses Geräusch vertraut und sie nehmen es nicht mehr als Bedrohung wahr.
Ängste sind oft mit bestimmten Stufen der emotionalen und geistigen Reife verbunden. Das Baby gewöhnt sich an das Telefon, doch kommt im achten Monat als neue Angst, die Trennungsangst, auf das Kind zu. In diesem Alter reagieren Kinder ängstlich auf fremde Menschen und sie brauchen die Nähe einer vertrauten Person.
Ab dem 12. Monat beginnt das Kind, sich selber und seine Umwelt besser kennen zu lernen. Es entdeckt, was alles in seiner Macht steht, um Dinge zu verändern. Zum Beispiel reicht ein Knopfdruck und die bunten Bilder erscheinen auf dem Fernseher und noch ein Knopfdruck und sie sind wieder weg. Es erlebt sich in dieser Zeit als Bestimmenden, womit die nächste Angst einher geht. Es kann zwar vieles bestimmen, es weiß zum Beispiel wie der Fernseher angeht, wie man die Katze verscheucht, wie man den Bruder zum weinen bekommt usw. doch es versteht nicht, warum es ohne sein zutun am Himmel blitzt. Da es das nicht verstehen kann, macht es dem Kind Angst.
In dieser Zeit lernt das Kind, dass es nicht schlimm ist, wenn die Eltern mal nicht da sind, das heißt, wenn sie nicht mit im Raum sind. Sie sollten schon in unmittelbarer Nähe sein, damit das Kind ab und zu mal in der Küche gucken gehen kann, ob die Mama noch da ist, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Erst dann kann es beruhigt weiter spielen.
Das Kind kommt mit vier Jahren in die „Ich-Findungs-Phase“ und fängt an seinen Körper zu begreifen. Es versteht, dass der Körper verletzlich ist. Dadurch entstehen neue Ängste, zum Beispiel die Angst vor dem Zahnarzt oder vor der „bösen“ Spritze. Auch springt es nicht mehr ohne nachzudenken vom Klettergerüst.
Ab dem siebten Lebensjahr ist das Kind in der Lage kausale Zusammenhänge zu verstehen und glaubt nun nicht mehr, dass die Toilette es verschlucken kann. Es weiß und versteht jetzt, dass dazu die Rohre zu eng sind.
Um zu verhindern, dass die Intensität der Ängste nicht zunimmt, muss den Erwachsenen klar sein, dass sie die Ängste ihrer Kinder ernst nehmen müssen.11 (Heike Baum, S.9-18)

8. Mit den Gefühlen Spielen!

Kinder gehen anfangs sehr offen mit ihren Gefühlen um, erst im Laufe der Zeit bekommen sie von den Erwachsenen vorgelebt, wie man mit Gefühlen umgeht. Erwachsene neigen dazu schlechte Gefühle beiseite zu schieben und zu verdrängen. Kinder gucken sich dieses Verhalten ab und machen es ähnlich.
Um zu verhindern, dass Kinder ihre Gefühle verdrängen ist es wichtig, sie im pädagogischen Prozess zu kritischem Denken anzuregen. Und wie geht das wohl besser als mit Spielen?
Im folgenden werden verschiedene Spiele vorgestellt, die im Kindergarten und auch in der Schule wunderbar Platz finden.

8.1. „den Gefühlen auf der Spur“

Kinder eignen sich in den ersten sieben Lebensjahren ein Repertoire an Gefühlen an. Viele Gefühle können sie nur nachvollziehen, wenn sie sie gerade selber fühlen. Das ist vergleichbar mit Gefühlen, die mit heftigen Schmerzen oder einer Verliebtheit zusammenhängen. Manch einer hat sie selber schon erlebt, kann sie aber schwer nachvollziehen, wenn er sich nicht in der Situation befindet, in der diese Gefühle erlebt werden.

Das erste Spiel heißt: Was ist denn ein Gefühl?
Dieses Spiel kann mit zwei oder mehreren Kindern gespielt werden.
Die Kinder versammeln sich in einem Kreis, wobei ein Kind in der Mitte steht. Dieses Kind nennt ein Gefühl und läuft zu einem anderen Kind. Diese Kinder tauschen die Plätze und nun nennt das Kind, was jetzt in der Mitte steht, ein neues Gefühl. So geht das immer weiter, wobei kein Kind das Gefühl des Vorgängers nennen darf. Fällt einem Kind in der Mitte mal kein Gefühl ein, können die anderen helfen und ein Gefühl nennen oder einfach mal versuchen das Wort Gefühl zu definieren.
Dieses Spiel ist gut, um den Kindern vor Augen zu führen und zu erinnern, was es für Gefühle gibt.12 (Heike Baum, S.46)

Das zweite Spiel heißt: Gruselig und schön.
Dieses Spiel kann mit zwei oder mehreren Kindern gespielt werden. Es werden mehrere (mindestens acht) Konservendosen, alter Stoff, ein Handtuch, Klebestreifen, verschiedene Materialien wie nasser Ton, trockener Sand, Holzklötze, usw. benötigt.
Die Dosen werden mit den vorhandenen Materialien gefüllt, wobei jeweils ein Material in eine Dose kommt. Nachdem die Dosen gefüllt wurden, werden sie mit dem Stoff gut abgedeckt.
Nun werden die Dosen so platziert, dass sich Gegensätzliches gegenübersteht, zum Beispiel trockener Sand gegenüber von nassem Ton usw.. Die Kinder sollen jetzt nacheinander alles Dosenpaare anheben, berühren und befühlen. Wobei sie sich besonders auf das Fühlen konzentrieren sollen. Die Spielleiterin kann das Stillsein der Kinder erleichtern, indem sie ruhige Musik auflegt.
Nachdem die Kinder alle Dosenpaare „gefühlt“ haben, sammeln sie sich in einem Kreis, um über die Gefühle während des Spieles zu sprechen. Gibt es Inhalte, die sich schöner angefühlt haben als andere? Was war das Scheußlichste? Haben sich manche Kinder bei den Eiswürfeln erschrocken? Wie kann das Erlebnis genauer beschrieben werden?13 (Heike Baum, S.48)

Das dritte Spiel heißt: Schwarzer Mann.
Dieses Spiel wird vorwiegend von Kindern im Alter von 4 bis7 Jahren gespielt. In diesem Alter lösen sich die Kinder langsam von den Eltern (Kindergarten) und dieses Spiel bedeutet für die Kinder sich mit dem Bösen auseinander zu setzen. Für sie ist es eine Herausforderung sich gegen das „Böse“ alleine zu wehren.
In diesem Spiel sind die Kinder entweder die Gejagten oder die Täter. Ein Kind ist der Schwarze Mann und steht alleine allen anderen Kindern gegenüber. Es ruft: „Wer fürchtet sich vor dem schwarzen Mann?“. Die anderen Kinder antworten: “Niemand!“. Der Schwarze Mann fragt: „Und wenn er doch kommt?“ – „Dann auch nicht!“. Jetzt droht der Schwarze Mann: „Und wenn er fängt?“ – „Dann laufen wir!“, rufen die Kinder zurück und rennen auch schon vor dem Schwarzen Mann davon.
Das Ziel des Spieles ist, dass die Kinder versuchen müssen auf die Linie des Spielfeldes zu gelangen, auf der der Schwarze Mann zu Beginn gestanden hat. Wer diese Linie erreicht hat, hat gewonnen, diejenigen die der Schwarze Mann abgeschlagen hat müssen mit ihm zusammen die übrigen Kinder versuchen abzuschlagen.14 (Heike Baum, S.51)

8.2. „Gemeinsam sind wir stark“

Es ist eine wichtige Erfahrung für Kinder, zu merken, dass sie mit ihren Sorgen und Nöten auf andere zugehen und sich helfen lassen können. Kinder die dies erkennen, werden als Erwachsene weniger Probleme haben, sich von anderen helfen zu lassen. Durch das im folgenden genannte Spiel, sollen Kinder lernen, ihre Probleme zu äußern und die Hilfe von anderen anzunehmen. Dadurch wird nicht nur der Gruppenzusammenhalt gefördert, sondern das Kind ist in der Lage, sich anderen zu öffnen.

Das Spiel heißt: Gemeinsam sind wir stark!
Die Kinder – vier oder mehr – setzten sich in einen Kreis und überlegen, was sie gerne mal machen würden, aber alleine nicht können. Zusammen sollen sie überlegen, wie sie sich gegenseitig helfen können. Zum Beispiel wünscht sich ein Kind mal auf einem Pferd zu sitzen. Die anderen sollen nun überlegen, wer wie helfen kann. Vielleicht kennt einer, der ein Pferd besitzt und kümmert sich darum. Ein anderes Kind, das schon einmal auf einem Pferd gesessen hat, übernimmt die Aufgabe das Pferd zu halten usw.. So verteilen sie untereinander selbständig die notwendigen Rollen.
Ist bei dem ersten Wunsch alles geklärt, ist der nächste an der Reihe und darf seinen Wunsch äußern. In den folgenden Wochen versuchen die Kinder, möglichst viele dieser genannten Wünsche zu erfüllen.15 (Heike Baum, S.128)

8.3. „Wir- Werkstatt“

In dem Studium der Grundschulpädagogik kommt einem immer wieder ein Spiel/Projekt zu Ohren, das den Namen „Wir-Werkstatt“ trägt. Es ist ein Spiel, bei dem es darum geht, die individuellen Stärken eines jeden Kindes zu fördern. Die „Wir-Werkstatt“ basiert auf dem Grundgedanken des „Appreciative Inquiry“ (wertschätzende Erkundung) und des erfolgreichen gemeinsamen Realisierens von Projekten, aufbauend auf den individuellen Stärken eines jeden Kindes.
Sie unterteilt sich in vier Phasen, wobei im folgenden allerdings nur die erste der vier Phasen vorgestellt wird.
In dieser ersten Phase geht es darum, dass sich die Gruppenteilnehmer/Innen besser kennen lernen und ihre Stärken entdecken.
Damit sie sich besser kennen lernen, ist es vorgegeben, dass die Schüler zunächst Partnerinterviews durchführen. Das Ziel dieser Interviews ist es, die Stärken seines Gegenübers herauszufiltern und auf Steckbriefen festzuhalten. Anschließend werden auf vorgefertigten „Juwelen“, welche aus Papier gefertigt wurden, die Stärken aufgeschrieben und gesammelt. Dies ist besonders wichtig, denn wenn alle Kinder damit fertig sind, kommen sie in Paaren nach vorne und stellen das angefertigte „Juwel“ der Klasse vor.
Dadurch wird nicht nur das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt, da sie ja nur anhand ihrer Stärken und positiven Eigenschaften vorgestellt werden, sondern sie haben die Gelegenheit, all ihre Mitschüler richtig kennen zu lernen.

8.4. „Gefühle erleben“

Als letztes Beispiel werden verschiedene Aufgabenstellungen aufgelistet, die im Rahmen eines Referates an der Humboldt-Universität zu Berlin einem Kurs gegeben wurden. Dazu wurde der Kurs in fünf Gruppen eingeteilt und der Raum etwas vorbereitet. Anhand der gegebenen Aufgaben sollten die Gruppenteilnehmer verschiedene Gefühle darstellen und zwar nicht alleine, sondern mit der ganzen Gruppe. Diese Vorgestellten Gefühle mussten die anderen Studenten erraten.

erste Gruppe: Pantomime
Aufgabenstellung: „Überlegt euch, wie ihr die beiden Gefühle Zufriedenheit und Misstrauen jeweils pantomimisch darstellen könnt. Ihr dürft alle in diesem Raum befindlichen Gegenstände als Requisiten verwenden; reden oder andere Geräusche machen dürft ihr nicht. Ihr habt 20 Minuten Zeit, um eine kleine Inszenierung zu entwickeln und einzuüben, die ihr anschließend der ganzen Gruppe vorführen sollt. Für die Aufführung habt ihr maximal 5 Minuten Zeit. Jede/r aus eurer Gruppe muss an der Aufführung beteiligt sein. Ob und wie ihr euch aufteilt, bleibt euch überlassen.“16 (Referatsgruppe: Annika Paluch, Julia Bannert, Katrin Eggert, Lisa Kothe, Humboldt-Universität zu Berlin)

zweite Gruppe: Gedicht
Aufgabenstellung: „Lest euch das Gedicht durch. Überlegt euch, wie ihr es einmal ängstlich und einmal freudig vortragen könnt. Ihr habt 20 Minuten Zeit, um eine kleine Inszenierung zu entwickeln und einzuüben, die ihr anschließend der ganzen Gruppe vorführen sollt. Für die Aufführung habt ihr maximal 5 Minuten Zeit. Jede/r aus eurer Gruppe muss an der Aufführung beteiligt sein. Ob und wie ihr euch aufteilt, bleibt euch überlassen.“16

dritte Gruppe: Schauspiel
Aufgabenstellung: „Überlegt euch, wie ihr die beiden Gefühle Stolz und Vertrauen jeweils in einem kleinen Theaterstück darstellen könnt, ohne die beiden Begriffe dabei zu verwenden. Ihr dürft alle in der Grundschulwerkstatt befindlichen Gegenstände als Requisiten verwenden. Ihr habt 20 Minuten Zeit, um eine kleine Inszenierung zu entwickeln und einzuüben, die ihr anschließend der ganzen Gruppe vorführen sollt. Für die Aufführung habt ihr maximal 5 Minuten Zeit. Jede/r aus eurer Gruppe muss an der Aufführung beteiligt sein. Ob und wie ihr euch aufteilt, bleibt euch überlassen.“16

vierte Gruppe: Malen
Aufgabenstellung: „Überlegt euch, wie ihr die beiden Gefühle Liebe und Verzweiflung jeweils zeichnerisch darstellen könnt. Vermeidet dabei eine figürliche Darstellung (z.B. Herz, Hand…), beschränkt eure Darstellung auf Farbe und ungegenständliche Formen. Fertigt die zeichnerische Darstellung eines der beiden Gefühle an und überlegt euch, wie ihr das zweite Gefühl vor der Gruppe vorführen könnt. Sprechen dürft ihr dabei nicht und Gestiken solltet ihr möglichst vermeiden. Ihr habt 20 Minuten Zeit, um euer Bild zu erstellen und eine kleine Inszenierung zu entwickeln und einzuüben, die ihr anschließend der ganzen Gruppe vorführen sollt. Für die Aufführung habt ihr maximal 5 Minuten Zeit. Jede/r aus eurer Gruppe muss an der Aufführung beteiligt sein. Ob und wie ihr euch aufteilt, bleibt euch überlassen.“16

fünfte Gruppe: Musik
Aufgabenstellung: „Überlegt euch, wie ihr die beiden Gefühle Trauer und Glück jeweils musikalisch darstellen könnt. Ihr dürft alles, was ihr in der Grundschulwerkstatt findet, zum Geräuschemachen verwenden. Ihr dürft auch selbst Geräusche machen, Worte dürfen aber nicht verwendet werden. Ihr habt 20 Minuten Zeit, um eine kleine Inszenierung zu entwickeln und einzuüben, die ihr anschließend der ganzen Gruppe vorführen sollt. Für die Aufführung habt ihr maximal 5 Minuten Zeit. Jede/r aus eurer Gruppe muss an der Aufführung beteiligt sein. Ob und wie ihr euch aufteilt, bleibt euch überlassen.“16

Im Verlaufe dieses Referates ist den Studenten klar geworden, dass es nicht leicht ist Gefühle, die man als selbstverständlich jeden Tag empfindet, darzustellen. Vielmehr stellte es in einigen Gruppen eine große Herausforderung dar, die Gefühle so vorzustellen, dass die anderen sie erraten können.

Die in den letzten beiden Abschnitten aufgeführten Beispiele dafür, wie man Gefühle in den pädagogischen Prozess einbeziehen kann sind als kleine Projekte zu sehen, die man in den Unterricht mit einbeziehen kann. Durch diese Spiele erfahren die Kinder Gefühle zu erleben. Sie bekommen die Chance sich besser kennen zu lernen, was wiederum zu einem verbesserten Klima innerhalb der Klasse führen kann

Fazit

Viele Menschen, ob klein oder groß, schämen sich ihrer Gefühle.
In dieser Hausarbeit ist jedoch herausgekommen, dass es nicht falsch ist, zu fühlen. Jeder Mensch fühlt anders, was sicherlich auch mit der jeweiligen Gesellschaft zusammenhängt, in der wir uns befinden.
Wichtig ist es schon den kleinen Kindern beizubringen, zu ihren Gefühlen zu stehen und diese auch offen zu äußern. Leider hat sich durch die verbesserte Technik die Kommunikation in den Familien in den letzten Jahren sehr reduziert. Vielen Menschen ist es wichtiger, während des Essens fern zu sehen. Doch ist dies nicht der richtige Weg, seine Kinder zu selbständigen Menschen, welche mit ihren Emotionen angemessen umgehen können, zu erziehen!
In diesem Zusammenhag ist es noch einmal wichtig, zu erwähnen, dass die Gefühle der Kinder nicht klein gemacht oder nicht ernst genommen werden sollten. Andernfalls kann es dazu führen, dass die Intensität der Ängste bei den Kindern zunimmt und dass die Kinder versuchen, ihre Gefühle zu verbergen. Diese Kausalitätskette endet darin, dass es für Eltern schwieriger wird, ihre Kinder zu verstehen.
Diese Arbeit jedoch verdeutlicht, dass gerade dieses Verständnis das Fundament bildet, um die Kinder adäquat fördern zu können!

Text: J.Bannert

Literaturliste

Andreas Huber, „Stichwort EQ- Emotionale Intelligenz“, 1996

Der neue Brockhaus“ dritte, völlig neubearbeitete Auflage, fünfter Band

Hartmut Wedekind, Achim Kessemeier, Alexandra Seitz ; Zeichnungen: Ingrid Hecht, „Wir- Werkstatt“, 19 Seiten

Heike Baum, „Kleine Kinder- große Gefühle“ 1998

Katharina Zimmer „-Gefühle- unser erster Verstand“, 1999

Lothar Schmitz-Atzert, „Lehrbuch der Emotionspsychologie“, Stuttgart, Berlin 1996

Prof. Valtin: Kurs: Geschlechtsspezifische Sozialisation in der Schule; Humboldt-Universität zu Berlin, Referatsgruppe: Annika Paluch, Julia Bannert, Katrin Eggert, Lisa Kothe

Internet:

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/EmotionEntwicklung.shtml
(Zugriff am 28.03.2006)

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