Gewerkschaften – Ein Ansatz zur Existenzberechtigung

Ein allgemeinerer Ansatz, letztendlich jedoch die gleichen Probleme angehend, ist das Prinzip der Deregulierung und Liberalisierung mit den Zielen, Konkurrenz zu fördern, Innovationen voranzutreiben und grundsätzlich neue und zeitgemäße Wege zu beschreiten. Den Gesetzen des Marktes ausgeliefert, entwickeln Unternehmen starke und belastbare Strukturen, die in der alltäglichen Auseinandersetzung mit Konkurrenten aus aller Welt erfolgreicher agieren und schneller expandieren als im Schutze einer übertriebenen sozialmarktwirtschaftlichen Führung. Einer sozialen Ausrichtung wirtschaftlicher Politik steht dieser Kritikpunkt nicht im Wege – Sie sollte sich jedoch immer an der Verhältnismäßigkeit messen lassen und niemals zum Zwecke des Stimmenfangs missbraucht werden. Eben in diesem Sinne sollten sich Gewerkschaften verstehen – das Wohl der gesamten arbeitsfähigen Bevölkerung anstrebend und weniger der Selbsterhaltung dienend. Die Existenzberechtigung der Gewerkschaften begründet sich schließlich auf die Notwendigkeit, Missstände zu bekämpfen und nicht, solche zu suchen oder gar zu provozieren – um der eigenen Selbsterhaltung willen.

Gewerkschaften – Kritik an den Gewerkshaften

Die im Zuge der Einigung von GDL und Bahn AG getätigten Äußerungen des Herrn Mehdorn offenbaren ein weiteres Problem: Die weitreichenden Verbesserungen für die Gruppe der Lockführer rufen nun die Vertreter der übrigen Bereiche auf den Plan, die nun ihrerseits für Verbesserungen eintreten. Letztendlich ist der Maßstab immer mehr das direkte Umfeld oder vergleichbare Beschäftigungsmodalitäten anderer Umfelder als die persönlichen Bedürfnisse und der eigentliche Gegenwert der geleisteten Arbeit. Ähnlich der Überbewertung eines börsennotierten Unternehmens ergeben sich immer wieder aufgeblähte Tarifverträge, die der Entstehung neuer Arbeitsplätze im Wege stehen und die Entwicklung der Strukturen allgemein behindern. Der Nutzen beschränkt sich auf die wenigen, die Nutznießer sind, wie es der Name dankenswerterweise erahnen lässt, und solche, die die “verbesserte” Situation zu verantworten haben und triumphierend verkaufen: die Gewerkschaften.

Gewerkschaften – Interessen der Gewerkschaften

Die Interessen der Arbeitslosen werden durch Gewerkschaften nur bedingt vertreten.

Mit dieser Feststellung befinden wir uns inmitten der Diskussion, inwiefern organisierte Arbeitnehmervertreter notwendig und sinnvoll sind. Die Notwendigkeit von Gewerkschaften, Betriebsräten und anderen Werkzeugen der Interessensvertretung möchte wohl niemand ernsthaft in Frage stellen. Ihre Rolle hingegen, ihre verstärkte Ausrichtung auf die großen Arbeitnehmergruppen und ihre enorme Machtfülle geben jedoch berechtigten Anlass zur Kritik. So hat ein Übergewicht der Gewerkschaften bzw. der gewerkschaftsfreundlichen Politik negativen Einfluss auf beide Seiten außerhalb des gewerkschaftlichen Spektrums: Wie bereits beschrieben, erfahren Arbeitslose wenig Rückhalt durch die Arbeitnehmervertreter. Ebenso ergeben sich Nachteile hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf einem zunehmend globalisierten Markt. Seit bestehen der Gewerkschaften mahnen Ökonomen zu mehr Zurückhaltung und größerem Wettbewerb innerhalb des Arbeitsmarktes zugunsten der Unternehmen und ihrer Flexibilität. Dabei müssen die größeren (welt)wirtschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigt werden, was wiederum langfristige Planung erfordert, die, so bedauerlich es auch sein mag, auch immer wieder Arbeitsplätze kosten kann. Oft ist die einzige Alternative eine umfassende Aufgabe der Unabhängigkeit und daraus folgender Ausverkauf der Unternehmensstrukturen mit viel härteren Maßnahmen der Optimierung und Stellenstreichung. Es sind also die mittel- und langfristigen Erwägungen, die mehr Gewichtung erhalten sollten, als die leicht zu verkaufenden Hau Ruck-Methoden üblichen Gewerkschaftsgebarens.

Gewerkschaften – Ihre Rolle in der Politik

Gewerkschaften – Ihre Rolle in der Politik

Das Bild der Gewerkschaften stellt sich für viele Menschen durchweg positiv dar. Für den Großteil der Gesellschaft übernehmen sie eine Robin Hood-ähnliche Rolle und stehen symbolhaft für die Interessen des “Kleinen Mannes”. Durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit und gezielte Polarisation ziehen sie immer wieder das Interesse der Massenmedien auf sich und ihre führenden Vertreter und erreichen dadurch gerade in Deutschland eine überproportional hohe Medienpräsenz einhergehend mit weitreichender Machtfülle. Ihre traditionelle Nähe zur SPD lässt sich in den letzten Jahren der Regierungen Schröder und Merkel immer weniger feststellen wodurch sich eine noch eigenständigere politische Richtung entwickelt hat, die ihre Rolle teilweise weniger als Interessenvertreter denn als Volksvertreter erscheinen lässt. Dabei haben es die Gewerkschaften leicht: Sie müssen ihre politischen Vorstellungen nicht realpolitisch umsetzen und ihr Handeln nicht an der Fülle und Komplexität echter Regierungsverantwortung messen lassen. Ihre Forderungen können noch so absurd sein, ihre Sorge wird es niemals sein. Eine Unart der politischen Debatte wird damit auf die Spitze getrieben und trägt immer wieder bei zur Verzerrung der Realität. Die Rolle der Interessenvertretung, die sie immer wieder erfolgreich wahrnehmen, offenbart ein weiteres Problem: Die Position derer zu vertreten bzw. zu stärken, die in Lohn und Brot sind, schwächt ganz zwangsläufig die Position derer, die ohne Arbeit sind und ihrerseits auf eine Chance warten. Mit anderen Worten:

Die Interessen der Arbeitslosen werden durch Gewerkschaften nur bedingt vertreten.