Das Aufgabenspektrum eines Anästhesisten

Anästhesie ist ein oft unterschätztes Fachgebiet der Medizin, dabei ist der Arbeitsalltag eines Anästhesisten sowohl anspruchsvoll als auch abwechslungsreich. Als wichtige Stütze des Gesundheitssystems sind Anästhesisten im OP, auf Intensivstationen, in der Notfallmedizin und auch in der Schmerztherapie, den vier Säulen der Anästhesie, tätig. Doch was genau macht ein Anästhesist eigentlich und wie sind die Berufschancen?

Vergleichsweise junges Fachgebiet

Im Vergleich zu anderen medizinischen Fachgebieten ist die Anästhesie eine relativ junge Disziplin, generell bestehen sehr viele Berührungspunkte mit anderen Fachgebieten wie Chirurgie, innere Medizin, Kinderheilkunde etc. Die Bedeutung des altgriechischen Wortes Anästhesie ist „Empfindungslosigkeit“ und beschreibt ein medizinisches Verfahren zum Herbeiführen dieses Zustands. Hierzu werden in der modernen Medizin verschiedene Medikamente (Anästhetika) eingesetzt. Man unterscheidet in der Regel zwischen drei verschiedenen Anästhesieverfahren:

1. Allgemeinanästhesie (ugs. Vollnarkose)
2. Regionalanästhesie (Nervenblockade, ugs. Teilnarkose)
• Rückenmarks-nahe Regionalanästhesie
• Spinalanästhesie (Kreuzstich)
• Epiduralanästhesie
• Kaudalblock
• kombinierte Spinal- und Epiduralanästhesie
• Periphäre Regionalanästhesie
• Lokalanästhesie
3. Sedonalgesie (Analgosedierung, ugs. Dämmerschlaf )

Vor, während und nach der Operation

Ganz allgemein werden Fachärzte für Anästhesie auch Narkoseärzte genannt. Zu den Kernbereichen der Anästhesie zählt, neben der Einleitung des Narkoseverfahrens, vor allem die Überwachung der lebenswichtigen Körperfunktionen des Patienten während einer Operation. Dazu zählen unter anderem die Atmung, der Kreislauf, der Flüssigkeits-, Säure-Basen und Elektrolythaushalt oder die Blutgerinnung. Bei etwaigen Organfunktionsstörungen muss der Anästhesist unverzüglich handeln und entsprechende Rettungsmaßnahmen (bis hin zum Organersatz) einleiten.

Auch vor und nach der Operation ist der Anästhesist in begleitender Funktion tätig und für die Vor- und Nachbehandlung sowie Aufklärungsgespräche zuständig. Somit hat ein Facharzt für Anästhesie eine enorm hohe Verantwortung zu tragen. Im Bedarfsfall muss ein Anästhesist also in der Lage sein, intensivmedizinische und notfallmedizinische Maßnahmen einzuleiten.

Lebenslange Verpflichtung zum Weiterbilden

Wer sich in Deutschland zum Facharzt für Anästhesie weiterbilden lassen möchte, muss an einem 60-monatigen Seminar teilnehmen. Im Rahmen der Fortbildung werden die notwendigen medizinisch praktischen Kenntnisse in den Bereichen Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin sowie der Schmerztherapie vermittelt. Verschiedene Zusatzweiterbildungen erlauben eine weitere Spezialisierung. Selbstverständlich ergibt sich im Anschluss an die Weiterbildung die lebenslange Verpflichtung, sich durch Fortbildungen und Seminare stetig auf Höhe des aktuellen Wissens zu halten (Continous Medical Education, CME).

Fachärzte für Anästhesie können in Krankenhäusern oder OP-Zentren als Angestellte Arbeiten oder auch freiberuflich Arbeiten. Aktuell sind die Einstiegschancen für eine Karriere als Anästhesist gut (Stellenangebote Anästhesie). Wer sich für dieses anspruchsvolle und vielseitige Berufsbild interessiert, hat hervorragende Aussichten auf eine spannende und herausfordernde Tätigkeit.

Viel persönlicher Kontakt zu Patienten

Vor jeder Operation, ausgenommen Notfälle, führt der Anästhesist ein sogenanntes Aufklärungsgespräch mit dem Patienten und macht sich ein Bild vom körperlichen und allgemeinen gesundheitlichen Zustand. Alle möglichen Risiken der jeweiligen Anästhesieverfahren werden dargelegt und abgewägt. Ein Anästhesist muss in der Lage sein, sich in den Patienten hineinzuversetzen und seine Ängste und Nöte verstehen. Letztlich kann der Anästhesist anhand des Aufklärungsgesprächs entscheiden, welches Anästhesieverfahren unter Berücksichtigung individueller Besonderheiten (Medikamente, Vorerkrankungen etc.) zur Anwendung kommen soll. Während der eigentlichen Operation sind sie permanent vor Ort und überwachen die Vitalfunktionen des Patienten die gesamte Dauer des Eingriffs.

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